Dreiviertel aller Häuser werden mit Öl oder Gas beheizt in der Schweiz

Trotz Klimadebatte rund um CO2: Dreiviertel aller Schweizer Häuser heizen nach wie vor mit Öl oder Gas. Das schreibt ein redaktioneller "Sponsored" Artikel ganzseitig in der Schweizer "Sonntagszeitung" (vom 13./14.10.2019).

Pixabay License free
Damit sind Europa und Amerika reich geworden: Mit Energie aus Öl oder Gas.

Vor allem Erdgas ist mit großem Abstand derzeitig das günstigste Mittel, um zu heizen oder warm zu duschen, also zur Warmwasseraufbereitung.

"Eine Millionen Einfamilienhäuser, eine halbe Millionen Mehrfamilienhäuser, dazu kommen noch Geschäftshäuser, Industriebauten und Lagerhallen – der Gebäudepark in der Schweiz umfasst rund 1,8 Millionen beheizte Bauten, schreibt die "Sonntagszeitung".

Diese benötigten eine Menge Energie: 100 Terrawattstunden seien es laut Schweizer Bundesamt für Energie pro Jahr. Das sei aber lediglich etwas weniger als die Hälfte des gesamten Energiebedarfs. Der Rest falle im sonstigen Leben an.

50 Prozent heizen noch mit Öl

Mit Blick auf die CO2-Klimadebatte konstatieren die Autoren in der "Sonntagszeitung": 50 Prozent aller Gebäude würden nach wie vor mit Öl beheizt, nur 25 Prozent mit deutlich günstigerem Gas.

Die Kosten für Warmwasseraufbereitung durch Gas sind in Deutschland gut zwei Drittel niedriger als mit Öl.
Das macht für ein Einfamilienhaus Kosteneinsparungen von gut 3000 Euro und mehr pro Jahr. Ähnlich sieht es in der Schweiz aus.

Das zeigt, wie wichtig Öl nach wie vor ist - auch als Produkt lokaler Arbeitgeber. So gibt es immer noch zahlreiche lokale Öllieferanten, die in den Regionen Arbeitsplätze schaffen und Teil der Wirtschaft sind. Häufig gehören Öllieferanten zu lokalen Tankstellen-Besitzern.

Es ist aber schon heute absehbar, dass diese einstmals heiß ersehnten Öl-Wägen auf Grund der Klima-Debatten künftig immer weiter unter Druck geraten werden. Ein Zustand, den sich vor 40 oder 30 Jahren niemand hätte vorstellen können.

Umbau kostet Geld

Immerhin: Angeblich würden in der Schweiz bereits 25% aller Gebäude ihre Heizungen und den sonstigen Warmwasserbedarf aus regenerativen Energien speisen.

Künftig bestehe die Chance, diesen Anteil weiter zu erhöhen, schreiben die Autoren in der "Sonntagszeitung" weiter. Immerhin seien über 50 Prozent aller Schweizer Gebäude über 40 Jahre alt. Dennoch würden die meisten Haus- und sonstigen Gebäudebesitzer kaum Geld in die Hand nehmen, um die Häuser mit modernen Standards, die auch umweltfreundlicher seien, auszustatten:

So betrage "die aktuelle Sanierungsquote" gerade einmal 1 Prozent. Politische Behauptungen, welche in Deutschland gerne verbreitet werden, als würden Wohnungs- oder Hausbesitzer massenhaft "luxussanieren" oder auch nur "sanieren" (um die Mieten "nach oben zu treiben") scheinen in der Schweiz eine Mähr zu sein.

"Dauert 100 Jahre"

So konstatieren die Autoren in der "Sonntagszeitung" auf Grund der bisherigen Investitionsbereitschaft von Immobilienbesitzern: "Es würde 100 Jahre dauern, bis ein nachhaltiger Standard erreicht" werde.

Das stehe aber im Widerspruch des "vom Volk beschlossenen ‚Energiestandard 2050‘". Obwohl weltweit der Energiebedarf nach Angaben der Weltbank seit den 1960er Jahren weiter kontinuierlich pro Kopf steigt, hatte der Schweizer Bundesrat dennoch etwas großmundig beschlossen, man wolle den Energiebedarf in den Schweizer Gebäuden halbieren, auf nur noch 55 Terrawattstunden.

So heizt die Schweiz.www.raiffeisen.ch/casa/de/immobilien-sanieren/energetische-sanierung/so-heizt-die-schweiz.html

Immerhin: Wer sein Gebäude beispielsweise von einer Ölheizung auf eine Wärmepumpe oder Holzpellets umstellt, der bekommt Subventionen vom Schweizer Staat. "Sauberen Strom" für die Wärmepumpe liefere "Solarenergie aus Kollektoren auf dem Dach".

Gründliche Gedanken machen

Die Autoren der "Sonntagszeitung" warnen allerdings: Wer mit einem neuen Heizsystem gedanklich spiele, der dürfe nicht abwarten, bis das alte System von einem auf den anderen Tag zusammenbreche. Sinnvoll sei es, sich schon einige Jahre zuvor gründliche Gedanken über Umstellung und deren Finanzierung zu machen.

Gut zu wissen: Konnten Solarkollektoren früher nicht zur Warmwasseraufbereitung für Küche, Bad und Duschen benutzt werden, hat sich das nun geändert: Die Kollektoren sind für die gesamte Warmwasseraufbereitung zuständig.

Wer auch passiv Energie nutzen möchte, sollte bei einem Neubau darauf achten, dass Fensterflächen, aber auch Türen, möglichst flächendeckenden nach Süden ausgerichtet sind. Das lässt dann das Haus oder die Wohnungen auf ganz natürlichem Wege über Sonneneinstrahlung beheizen.

Mit Vordächern rund um die Häuser kann man verhindern, dass sich die Gebäude in heißen Sommern überhitzen.

Angeblich wollten 25 Prozent umstellen auf regenerative Energien

Angeblich würden 25 Prozent der Schweizer Immobilienbesitzer nun bereit sein, in den nächsten fünf Jahren, also bis circa 2025, mehr Geld in die Umstellung Ihrer Heizsysteme hin zu regenerativen Energie zu investieren.

Laut dem "8. Kundenbarometer erneuerbarer Energien" der Universität St. Gallen (HSG), der "Energie Schweiz" und "Raiffeisen Schweiz" hätten zudem immerhin 40 Prozent der Hauseigner und Wohnungseigner gesagt:

  • Sollten sie genügend Ersparnisse und Rücklagen haben, wären sie zu Kernsanierungsmaßnahmen rund um ihre Heizsysteme bereit.

Die Erneuerung von Küchen würden bei solchen Planspielen angeblich sogar nachgelagert kommen. Also lieber eine alte Küche, als weiterhin mit Öl heizen – lautet das Lippenbekenntnis.

Ausstieg aus dem Öl

In der Regel würden Umstellungen vor allem von den teuren Ölheizungen auf regenerative Energiesysteme vorgenommen werden wollen, sagt die Studie der Universität St. Gallen.

Nach wie vor ist der Einbau von Ölheizungen in der Schweiz, einem Land der Direktdemokratie, wo über Köpfe der lokalen Bürger lokal kaum etwas bestimmt werden kann, nicht verboten.
Voraussetzung sei dann aber der Einbau eines "kondensierenden Brennkessels". Dadurch werde die Nutzung fossiler Brennstoffe effizienter und der CO2-Ausstoß könne immerhin im Zusammenspiel mit einer wirksamen Gebäudesanierung um 30 Prozent reduziert werden.

Doch für viele dürften die hohen privat zu leistenden Investitionen auch davon abhängig sein, wie lange überhaupt noch die Lebenszeit des aktuellen Heizsystems ist. Im Schnitt liegt die Lebensdauer von zentralen Heizungsanlagen bei 15 bis 20 Jahren.

Szenenwechsel: Eine Wohneigentümergemeinschaft in Berlin, eine WEG, hatte erst vor einem Jahr in Prenzlauer Berg für 40.000 Euro in einem Mehrfamilienhaus eine neue Gaszentralheizung einbauen lassen. Finanziert worden war der Umbau aus den 120.000 Euro Rückstellungen, welche die Vermieter über Jahre im gemeinsamen Topf angespart hatten.

Viele WEGs haben erst jetzt eine Gaszentralheizung eingebaut - für 40.000

Kaum zu glauben, dass solche Immobilieneigentümer nun bereit sind, in den nächsten Jahren noch einmal 40.000 Euro und mehr in die Hand zu nehmen, um schon wieder das Heizsystem komplett umzubauen.

Und klar wäre dann auch: Um Mieterhöhungen käme man dann wohl definitiv nicht umhin. Denn die Umstellung auf eine Gaszentralheizung spart die Berliner Mieter nun Heizkosten. Gleichzeitig wurden aber die Umstellungskosten des Heizsystems von den Vermietern nicht dazu verwendet, um die Mieten zu erhöhen.

Die 40.000 Euro Investitionssumme leisteten die Immobilienbesitzer aus eigner Kraft ohne Mieten zu erhöhen. Auch das gibt es häufiger als man annimmt.

gefällt mir
1
 

Lesen sie jetzt