Energiewende "Allianz Klima- und Energiemonitor 2018" untersuchte G20-Länder zur Investoren-Attraktivität hinsichtlich Pariser Klimaschutzabkommen: Deutschland, Frankreich vorn

Von Dr. Konstantin Korosides - Vor Wochen stellte der deutsche Bundesrechnungshof in einer Untersuchung fest, dass die Energiewende in Deutschland auf guten Schienen sei. Dennoch hinke die Bundesregierung in einigen Bereichen hinter ihren eigenen hohen Zielen hinterher. Zudem habe der Umbau des Energiesystems in Deutschland hin zum Aufbau mehr erneuerbarer Energien allein zwischen 2012 und 2018 insgesamt rund 160 Milliarden Euro gekosteten. [1]

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Bei Investitionen in Erneuerbare Energie ist Deutschland trotz Kritik gut aufgestellt.

Doch damit nicht genug: Der Bundesrechnungshof monierte zudem, dass die Energiewende in Deutschland behördlich zu chaotisch ablaufe, da zu viele unterschiedlichste Köche parallel statt zentral organisiert mitmischten.

Nun erklärt der jährlich veröffentlichte "Allianz Klima- und Energiemonitor" mit seinem im November 2018 veröfffentlichten Bericht, Frankreich unter den G20-Staaten zum derzeit attraktivsten Markt für Investitionen in Erneuerbare Energien. Bedauerlicherweise ist der Monitor ausschließlich in Englisch geschrieben, was es für Nicht-Fachleute, auch für Journalisten, schwer macht die Studie komplett zu verstehen.

Deutschland sei jedenfalls, so der Allianz Monitor 2018, nur noch zweiter im "grünen Investitions-Ranking". Noch im Vorjahr hatte Deutschland unter den G20-Staaten (Grafik) den ersten Platz belegt. [2, S. 4]

Das Monitoring soll nach Aussage der Verfasser das Investitionsklima in den G20-Staaten in regenerative Energieprojekte vor dem Hintergrund der Beschlüsse des Pariser Klimaabkommens, welches 2015 beschlossen wurde, aufzeigen. Das Abkommen heißt offiziell "Übereinkommen von Paris", beziehungsweise auf Französisch "Accord de Paris" und auf Englisch "Paris Agreement". [2, S. 2]

Ergebnisse des "Allianz Klima- und Energiemonitor 2018". Grafik-Quelle: "Allianz Klima- und Energiemonitor 2018", S. 4.

Basis für das Länderranking im "Allianz Klima- und Energiemonitor 2018" sind unterschiedlichste Daten zu den politischen Rahmenbedingungen in den G20-Staaten. Hierzu gehören beispielsweise die Bereiche Legislative, Judikative, das Steuerrecht, das behördlichen und administrative Verhalten gegenüber Investoren in regenerative Energien. Konkret werden die folgenden Bereiche genannt:

  • Mittelfristige Sicherheit von politischen Signalen (Medium term certainty of policy signals).
  • Vereinfachtes administratives Verfahren (Streamlined administrative procedures).
  • Sicherung und Realisierung von Projekten der Erneuerbaren Energien (Ensuring project realisation).
  • Sicherstellung der Verwendung des produzierten Stroms (Ensuring use of produced electricity). [2, S. 6f]

Pariser Klimaschutzabkommen

Das 2015 beschlossene "Übereinkommen von Paris" ist ein Vertrag von 196 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) zum Ausbau des Klimaschutzes.

Gastautor Dr. Konstantin Korosides.Press Image

  • Das Werk ist der Nachfolger des Kyoto-Protokolls aus dem Jahr 2005 und hat zum Ziel die Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius, besser auf unter 1,5 Grad Celsius bis 2050 zu beschränken.
  • Möglich sei das aber nur, wenn vor allem die schädlichen CO2-Gase in der Atmosphäre massiv reduziert würden.

Nach Auskunft der Allianz-Studie habe man nun 19 der G20-Länder im Hinblick auf ihre politische Vereinbarkeit in Bezug auf das Pariser Abkommen untersucht. Neben Frankreich und Deutschland standen Argentinien, Australien, Brasilien, China, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, die Türkei und die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) im Fokus des Monitorings. [2, S. 2]

  • Neben der Allianz SE, die weltweit Anleger seit über 100 Jahren berät, waren an der Studie zwei weitere Organisationen beteiligt:
  • Zum einen die deutsche Organisationen NewClimate-Institut für Klimapolitik und Globale Nachhaltigkeit aus Berlin.
  • Zum anderen Germanwatch. Das ist eine unabhängige Entwicklungs- und Umweltorganisation aus Bonn.

Die Studienmacher des Investitions-Monitors bewerteten nach eigener Aussage zusätzlich zu ihren administrativen Einordnungen in den untersuchten 19 Ländern auch wirtschaftliche Kriterien. Sie sollen Investoren eine Hilfestellung in G20-Ländern geben. Damit soll es leichter werden, zu entscheiden, ob sich ein Investment lohnt oder ob Investments zu riskant sind, da unzuverlässige Staaten. Folgende Bereiche schaute sich der Allianz-Monitor auch an:

  • Langfristigkeit politischer Entscheidungen im Bereich Erneuerbare Energien.
  • Schaffung angemessener Investitionsbedingungen im Erneuerbaren Energien-Bereich.
  • Bereitschaft der Länder zu Erhöhung des Anteils Erneuerbarer Energien am Strommix.
  • Wachstumsdynamik der erneuerbaren Energien.
  • Allgemeine Investitionsbedingungen. [2, S. 2]

Pariser Klimaziele: 785 Milliarden Euro wären jährlich an Investments für Pariser Klimaziele nötig

Die Pariser Klimaziele haben primär folgendes im Fokus:

  1. Den Ausbau der Solar- und Windenergie zu forcieren.
  2. Die Verringerung der Kohlendioxidfreisetzung (CO2) zu erreichen und die Erderwärmung zu drosseln.
  3. Den Erhalt und Ausbau stabiler politischer Rahmenbedingungen als wichtigster Erfolgsfaktor für die Energiewende anzustreben.

Um das Ziel, die globale Erderwärmung bis 2050 auf maximal 1,5 bis 2 Grad Celsius zu beschränken, müssten aber alle untersuchten Staaten bis 2050 jährlich 886 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 785 Milliarden Euro, in den Umbau eines umweltfreundlicheren Energiesektors investieren. Das schreibt zumindest der "Allianz Klima- und Energiemonitor". [3, S. 1]

Bei genauer Betrachtung ergibt dies eine fast schon utopische Forderung von sage und schreibe 28.352.000.000.000 US-Dollar, also 28 Billionen US-Dollar. Umgerechnet wären dies 25.000 Milliarden Euro, also 25 Billionen Euro bis zum Jahr 2050.

Zum Vergleich: Damit ist das von der Allianz-Studie genannte Investitionsvolumen 86 Mal so groß wie der vom Berliner Bundesministerium der Finanzen veröffentlichte deutsche Bundeshaushalt für das Jahr 2018 in Höhe von 329 Mrd. Euro. [4]

Zusätzlich sollten die Staaten dem Monitoringbericht nach die vollständige Dekarbonisierung umsetzen. Und zwar nicht wie beabsichtigt bis zum Jahr 2050, sondern schon bis zum Jahr 2040.

Dekarbonisierung der Energiewirtschaft als wichtiges Klima-Ziel

Dekarbonisierung bedeutet die Abkehr der Energiewirtschaft von der Nutzung kohlenstoffhaltiger Energieträger. [2, S. 5]

Fakt ist:

  • Noch immer werden enorme Mengen fossiler Energieträger verwendet.
  • Diese sind alle mehr oder weniger kohlenstoffhaltig, weswegen bei Ihrer Verbrennung Kohlendioxid (CO2) entsteht.
  • Der immer weiter ansteigende Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre erzeugt nach vorherrschender wissenschaftlicher Ansicht große Klimagefahren.
  • Deswegen liege es nahe, im Sinne einer Klimaschutz-Strategie den Einsatz kohlenstoffhaltiger Energieträger so weit wie möglich zurückzudrängen. Diese Maßnahme wird als Dekarbonisierung bezeichnet. [5]

Der Monitor bemängelt, dass bei der CO2-Reduktion und dem Ausbau Erneuerbarer Energien der größte Teil der untersuchten Länder hinter den eigenen individuellen Zielen, die sie mit dem Pariser Klimaabkommen eingegangen sind, zurückblieben.

So wird etwa Saudi-Arabien kritisiert. Aktuell erreicht das Land mit den weltweit größten Erdölreserven nach Auskunft der Studienmacher 0,6 Prozent jährliche Zuwachsrate an Erneuerbarer Energie auf Basis der aktuellen nationalen Ziele. Laut Pariser Klimaabkommen wären aber 3 Prozent jährlicher Zuwachsrate notwendig. Somit verfehlt Saudi-Arabien das vereinbarte Ziel um satte 82 Prozent. Das bedeutet, dass Saudi-Arabiens jährliche geplante Steigerung von Erneuerbare Energie am weitesten hinter den Zielen des Pariser Klimaabkommens zurückbleibt.

14 von 19 G20-Staaten erreichten Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens 2017 nicht

14 von 19 in der Allianz-Studie untersuchten G20-Länder erreichten die vereinbarten Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens nicht, so der Allianz-Monitor 2018.

  • Es seien dies: Südafrika, Indonesien, Australien, Japan, Mexiko, Südkorea, Indien, die USA, Russland, China, Türkei, Großbritannien, Italien und Kanada erreichen mehr oder weniger die Vorgaben nicht.
  • Argentinien erfülle immerhin die eingegangenen Verpflichtungen von Paris, so der Allianz Monitor.
  • Lediglich Deutschland, Frankreich und Brasilien hätten 2017 höhere Umweltschutzraten als in der Pariser Konvention vereinbart erreicht. [2, S. 5f]

Aktueller Stand der Umsetzung der Pariser Klimaziele bei der jährlichen Zunahme von Anteil erneuerbarer Energie. Blauer Strich: aktueller jährlicher Zuwachs an erneuerbarer Energie. Blauer Punkt: Jährlicher Zuwachs laut Pariser Klimaabkommen. Kreis: vereinbartes Ziel, Strich: erreichte Umsetzung."Allianz Klima- und Energiemonitor 2018", Seite 5.

In Punkto Nutzung von Stein- und Braunkohle als Energieträger in Deutschland ist die Meinung der Studienmachen eindeutig: So würden in der Bundesrepublik zwar keine neuen Kohlekraftwerke gebaut.

  • Der "Allianz Klima- und Energiemonitor 2018" lässt aber keinen Zweifel daran, dass die alten Kohlemeiler zur Erreichung der Klimaziele des Pariser Klimaabkommens abgeschaltet werden müssten.
  • Dieses müsste angeblich sogar vor dem Ende ihrer angepeilten Laufzeit geschehen.
  • Nur so seien die Klimaziele zu erreichen. [2, S. 5f]

Erst November 2018 teilte die deutsche Bundesregierung mit, sie wolle zusätzlich zu den schon bis 2021 veranschlagten 1,5 Mrd. Euro noch weitere Milliarden für den Strukturwandel in den betroffenen Regionen weg von der Kohlenverstromung freigeben. Ein konkretes Datum für den Kohleausstieg in Deutschland gibt es aber nach wie vor nicht und wird in der deutschen Kohleausstiegs-Kommission immer noch diskutiert. [6]

Noch Handlungsbedarf in vielen Ländern bei Rahmenbedingungen für Investitionen

Kein Wunder, dass der Allianz Umweltmonitor zu der Erkenntnis kommt, dass in den G20-Vorzeigeländern Frankreich, Deutschland oder Japan eine "sehr hohe" Unterstützungsrate der Politik in Bezug auf Investitionen in Erneuerbare Energien gegeben sei (Grafik 4).

Aber auch Länder wie China, Indien und Brasilien zählten die Studienmacher zu den "sehr hohen" Unterstützern (ebenfalls Grafik 4).

Eine immer noch "hohe" Unterstützung für den Aufbau Regenerativer Energien dürften Investoren, so die Studie, zudem in Mexiko, Südafrika, der Türkei und Italien erwarten.

Eine nur noch "mittlere" Unterstützungsbereitschaft fänden Geldgeber hingegeben angeblich in Argentinien, Saudi-Arabien und Australien. "Kaum" politische Unterstützung erwarteten Investoren dem Monitor zufolge in Großbritannien, Südkorea, Kanada, den USA, Russland und Indonesien (Grafik 4).

Ampelbewertung: mittelfristige Sicherheiten, administrative Verfahren, Sicherung von Projekten und Sicherstellung von Stromeinspeisung."Allianz Klima- und Energiemonitor 2018", Seite 6.

Auch wenn die G20-Staaten federführend beim Paris-Klimapakt sind, so sieht der Klima-Monitor es doch als wenig hilfreich für Investoren an, wenn Investorenprojekte von der Subventionsbereitschaft der Staaten unabhängig gemacht werden.

So befürwortet der Allianz-Monitor es, wenn Staaten auf weniger künstliche Subventionen für Teile des Energiemarktes stehen. Namentlich genannt werden dabei: China oder Deutschland.

Öffentliche Ausschreibungen für Windparks oder Solarfelder sollen Subventionen senken

Um Subventionen zu senken, gibt es in vielen Staaten mittlerweile beispielsweise Auktionen oder Ausschreibungen rund um den Aufbau und Betrieb von Windparks oder Solarfeldern. Hier bekommen häufig jene Bieter den Zuschlag, welche dazu beitragen, dass der Staat beim Aufbau von Infrastrukturprojekten entlastet wird, also weniger Subventionen, Fördermittel bereitstellen muss. [2, S. 6]

Das Ziel der Staaten ist häufig, dass letztlich jener Investor den Zuschlag für den Bau von Windkraftparks oder Solarfeldern erhält, der möglichst mit geringen bis gar keinen staatlichen finanziellen Hilfen profitabel dazu beiträgt, dass regenerative Energien produziert werden. [7]

Dumpingpreise aus China bei Solarmodulen machte westliche Industrie kaputt

Doch nicht alle Länder ziehen an einem Strang, um die Klimaziele von Paris zu erfüllen. Als Negativ-Beispiel nennen die Studien-Autoren die USA und ihre hohen Strafzölle (30 Prozent) auf Solar-Bauelemente aus China, dem restlichen Asien und der sonstigen Welt. Hintergrund:

  • Ursprünglich wollte die Administration von Donald Trump mit den Strafzöllen China treffen. Denn China liefert seit Jahren Solarzellen mit Dumpingpreisen in den Westen.
  • Mit den billigen Solarzellen aus China zerstörte das Reich der Mitte große Teile der Solarindustrie in den USA oder Deutschland (so gingen in Deutschland beispielsweise Q-Cells oder Solarwold Konkurs).
  • Nachdem Strafzölle auf Solarzellen-Importe aus China in die USA eingeführt worden waren (2018), weitete die Trump-Administration solche Extra-Zölle auf sämtliche ausländischen Solarzellen-Importe aus. [8]

Neben den USA wird im Monitor auch Australien kritisiert und zwar dafür, dass ab dem Jahr 2020, also ab dem kommenden Jahr, keine Unterstützung für den Aufbau Erneuerbarer Energie erfolgen würde. [2, S. 13] Ganz anders in Deutschland:

Anteil Erneuerbarer Energien in Deutschland bei 34 Prozent

Für den untersuchten Zeitraum 2017 beziffert das Monitoring der Allianz den Anteil Erneuerbarer Energie am deutschen Strommix auf immerhin 34 Prozent. Aktuelle Zahlen des Fraunhofer Instituts gehen für das erste Halbjahr 2018 bereits von 41 Prozent Erneuerbarer Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung, also dem Strommix, aus. [9] Dennoch sieht der Investment-Bericht der Allianz die Entwicklung der Wind- und Solarenergie in Deutschland zwar positiv, aber auch verhalten.

Laut Monitoring-Bericht stelle Deutschland schon heute weltweit den wichtigsten Markt rund um die Produktion von Energie durch Windräder dar. Allerdings stehe man nun möglicherweise an einem Wendepunkt, da die staatliche Förderung von Windenergie ausläuft. So erwarte man zwischen dem deutschen Glücksburg in Schleswig-Holstein und Garmisch-Partenkirchen in Bayern gar eine Halbierung der Investitionen bei der Windenergie. [10]

Deutschland weltweit wichtigster Markt rund um Windenergie

Als Grund nennen die Studien-Autoren die Durchführung: Denn mit der Umstellung von festen Fördersätzen auf ein Auktionssystem, sei auch das Volumen der Ausschreibungen für Windkraftanlagen reduziert worden. [2, S. 6] Hierzu erläuterte der Klimaökonom und Co-Autor der Allianz-Studie, Niklas Höhne, im Deutschlandfunk:

Grundsätzlich ist es schon mal positiv, dass man eine feste Fördersumme ersetzt durch eine Summe, die vom Markt generiert wird. Das ist grundsätzlich eine gute Idee, um nicht zu überfördern. Das heißt für neue Windkraftanlagen gibt es nicht mehr feste staatliche Fördersätze die sich in der Stromrechnung als Teil der Erneuerbare-Energie-Gesetz-Umlage (EEG) bei den deutschen Verbrauchern wiederspiegeln, sondern ein Auktionssystem. Das führt dazu, dass eine bestimmte Menge Stromerzeugung ausgeschrieben wird und der billigste Anbieter erhält den Zuschlag.[11]

Jedoch stecke "der Teufel aber im Detail". So seien bei der Umstellung der Förderung von Windkraftanlagen in Deutschland Regeln gemacht worden, die besagten, dass neue Anlagen erst in zwei Jahren gebaut werden bräuchten. [11f]

Deutschland trotz Kritik noch immer Vorreiter bei der Windenergie

Laut Allianz-Umweltmonitor seien 2016 in Deutschland Windparks mit einer Energie-Produktionsmenge von etwa 5.000 Megawatt (MW) neu installiert worden. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer "Zubau-Rate". [12] 2017 habe der Windräder-Neubau zusätzlich zu einer Energiemenge von 6.300 MW in Deutschland geführt.

Bleibe dieses Niveau bestehen, moniert das Allianz-Monitoring, wäre dies aber ein angeblich zu geringes Niveau, um die Klimaziele gemäß des Pariser Abkommens zu erreichen. Dennoch bleibe Deutschland das Land im G20-Ländervergleich mit den höchsten Zubau-Raten bei der Windenergie- gemessen an Megawatt Stromleistung. (nachfolgende Grafik)

Im Bereich der Regenerativen Energien aus Windkraft zeichnet der Monitorbericht ein sehr unterschiedliches Bild in den erhobenen 19 G20-Ländern.

  • Während Deutschland nach wie vor ein Musterschüler im Bereich Windkraft ist, nimmt der Konkurrenzdruck durch andere G20-Länder zu.
  • So stiegen auch in Großbritannien, Frankreich oder Südkorea die Zubau-Raten an Windenergie, so das Monitoring.
  • Rückläufige Raten verzeichnete die Allianz-Studie hingegen in Kanada, China, Brasilien, Italien, den USA oder Türkei. (Grafik)
  • Überhaupt keine Neuinstallationen im Windenergiesektor gab es im Beobachtungszeitraum von 2015 bis 2017 in der einzigen G20-Diktatur, in Saudi-Arabien sowie in Indonesien.
  • In Russland wurden angeblich im Jahr 2017 ebenfalls keine Neuinstallationen festgestellt.
  • In Argentinien und Südafrika kam es im Jahr 2017 nur zu minimalen Neuinstallationen im Windenergiesektor, so das Monitoring, während die USA nach wie vor die Windkraft ausbauen. [2, S. 18]

Zubau-Raten bei Windenergie pro Jahr in den untersuchten Ländern nach Kapazität in Megawatt."Allianz Klima- und Energiemonitor 2018", Seite 18.

Ähnlich sieht es im Bereich der Photovoltaik aus. So verzeichnete Deutschland zumindest in den untersuchten europäischen G20-Ländern die höchsten Zubau-Raten in der Photovoltaik im Jahr 2017 (nachfolgende Grafik).

Im weltweiten Vergleich liegt aber deutlich Japan vorn.

Auch Großbritannien, Australien, China, die Türkei oder die USA werden im Bereich Photovoltaik-Ausbau vor Deutschland im Allianz-Monitor genannt. Aber von einer nachhaltigen Entwicklung der Photovoltaik könne in diesen Ländern nicht immer die Rede sein, so der Klima-Monitor.

So habe etwa der Installations-Primus Japan seine Zubau-Raten von Photovoltaik seit 2015 immer weiter zurückgeschraubt. Ähnlich sehe es in den USA aus, Großbritannien, Südkorea, Südafrika, Mexiko oder Kanada. Positive Steigerungsraten verzeichnete der Monitor in Australien, China, der Türkei. In geringen Umfang sei dies auch in Indien und Italien der Fall. [2, S. 18]

Zubau-Raten bei Solarenergie pro Jahr in den untersuchten Ländern nach Kapazität in Megawatt. Im weltweiten Vergleich der G20-Länder führt Japan vor Australien und China. Deutschland verzeichnete im Jahr 2017 die höchsten Zubau-Raten in den verglichenen europäischen Ländern. Gezeigt werden in dieser Grafik, wie im Falle der Windräder-Grafik, die Jahre 2015 (hellgrün), 2016 (mittelgrün) und 2017 (dunkelgrün). Grafik-Quelle: "Allianz Klima- und Energiemonitor 2018", Seite 18.

Allianz: Pro-Kopf-Investitionen in den Aufbau Regenerativer Energien müssten deutlich steigen

Doch um die Pariser Klimaziele durch den Aufbau Regenerativer Energien zu erreichen, müsste allein Deutschland jährlich 22,2 Mrd. US-Dollar, also 19,6 Mrd. Euro, in den Stromsektor investieren. Das führt zumindest der Allianz-Monitor aus.

Dies würde auf Basis der heutigen Einwohnerzahl der Bundesrepublik Deutschland ein zukünftiges Pro-Kopf-Investitionsvolumen von 268 US-Dollar, beziehungsweise 237 Euro, pro Jahr bedeuten.

  • Insgesamt seien laut Allianz-Monitoring allein im Jahr 2017 in Deutschland rund 14,6 Mrd. US-Dollar, also 12,9 Mrd. Euro, in den Ausbau Erneuerbarer Energien geflossen.
  • Das entspricht einem Investitionsvolumen pro Bundesbürger von 176 US-Dollar, beziehungsweise 155 Euro. [2, S. 21f]

Allerdings stehen diese Rechenbeispiele der Allianz etwas singulär im Raum. Denn erst kürzlich legte der deutsche Bundesrechnungshofs ganz andere Zahlen vor (Gasanzeiger.de berichtete).

  • Demnach hätten allein im Jahr 2017 die deutschen Verbraucher für den Ausbau der Erneuerbaren Energien mindestens 34 Mrd. Euro an den Staat überwiesen. Das Geld wurde mit jeder Stromrechnung unter anderem durch die EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz) eingezogen. [1]

Das bedeutet, dass der von der Allianz-Studie angemahnte Investitionsbedarf geringer wäre, als die jährlichen Steuern und Abgaben (EEG-Umlage), welche die Deutschen im Rahmen der Energiewende hinblättern. [2, S. 21f]

Zu sehen sind für das Jahr 2017 vom Monitoring-Bericht erhobene Investitionssummen in Erneuerbare Energien. Angaben in USD Mrd. pro Jahr. Die Angaben umfassen Wind, Solar, Biokraftstoffe, Biomasse & Abfall, Energie intelligent. Technologien und andere Erneuerbare Energien Quelle: Ausgaben in USD Mrd. pro Jahr."Allianz Klima- und Energiemonitor 2018", Seite 22.

Viel zu geringe Investitionen bei den erneuerbaren Energien: USA, China & Indien

Doch so wichtig das Pariser Übereinkommen ist, so wacklig steht es teils: So war eine der ersten Amtshandlungen von US-Präsident Donald Trump sich aus dem mühsam über Jahre verhandelten Klimaschutz-Vertrag seines Vorgängers Barack Obama zu verabschieden.

Dies dürfte einer der Gründe sein, weshalb im aktuellen "Allianz Klima- und Energiemonitor 2018" die USA im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze nach hinten gerutscht sind: Nun rangieren die Vereinigten Staaten nur noch auf Platz 9 jener Staaten mit den größten Investitionen in die Energiewende. [2, S. 4]

Einer der Gründe dafür war die bereits erwähnte Einführung von Strafzöllen in Höhe von 30 Prozent auf Solarimporte aus dem Ausland. Immerhin sollen die Strafzölle bis 2022 wieder gesenkt werden und zwar dann auf 15 Prozent. [13]

USA liegen bei Ökowende weit zurück

Nimmt man die staatlichen Investitionen in die Ökowende in den G20-Staaten im Monitoring-Bericht als Grundlage, fällt auf, dass die USA weit zurückliegen: So habe das Finanzierungsvolumen nach Ansicht der Studienmacher für Erneuerbare Energien im Jahr 2017 bei lediglich 57 Mrd. US-Dollar gelegen, umgerechnet bei 50,3 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Pro-Kopf-Volumen von 173 US-Dollar, umgerechnet 153 Euro in den USA.

Um jedoch die Klimaziele zu erreichen, wären angeblich allein in den USA Investitionen von 158 Mrd. US-Dollar, also 139,6 Mrd. Euro, pro Jahr nötig, behaupten die Studienmacher. [2, S. 21f] Bis zum Jahr 2050 wären es etwa 5 Billionen US-Dollar, welche allein in den amerikanischen Strom- und Energiesektor fließen müssten, also 5000 Milliarden US-Dollar, führt der Allianz-Monitor aus.

  • Diese jährliche Investitionssumme wirkt riesig. Doch der amerikanische Verteidigungsetat beträgt allein für das Jahr 2019 satte 716 Mrd. US-Dollar (627 Mrd. Euro). [14]
  • Die vom Monitor geforderten 158 Mrd. US-Dollar für die Energiewende gemäß der im Pariser Klimaschutzabkommen gewünschten Ziele würden statistisch betrachtet ein jährliches Investitionsvolumen von 482 US-Dollar (426 Euro) pro Einwohner in den USA bedeuten.
  • Die Volksrepublik China, als Fünftplatzierter im Allianz Ranking (Grafik), will im Jahr 2017 rund 133 Mrd. US-Dollar (117,5 Mrd. Euro) in Erneuerbare Energien investiert haben, behauptet zumindest die Studie.
  • Das würde bei einer Einwohnerzahl vom mehr als 1,3 Mrd. Chinesen einem jährlichen Investitionsvolumen in den Aufbau Regenerativer Energien von 96 US-Dollar (85 Euro) pro Kopf entsprechen.
  • Die 133 Mrd. US-Dollar an Investitionen in China sind zwar fast 2,5 Mal so viel wie das derzeitige Finanzvolumen für den Aufbau Regenerativer Energien in den USA.
  • Doch um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müsste China angeblich 314 Mrd. US-Dollar (277,5 Mrd. Euro) pro Jahr in den Strom- und Energiesektor pumpen, behauptet zumindest die Allianz-Studie. [2, S. 21f]
  • Das würde wiederum einem angeblich nötigen Investment von 228 US-Dollar (201 Euro) pro chinesischen Staatsbürger bedeuten.

Ob aber auch dieses hohe Investitionsvolumen ausreichen würde, die allgegenwärtigen Umweltprobleme im Reich der Mitte zu beheben und die Klimaziele zu erreichen, bleibt fraglich. [15]

Indien investiert fast gar nichts in den Aufbau Regenerativer Energien

In Indien (Platz 10) habe sich laut Allianz-Angaben zwar der Ausbau der Solarenergie im Jahr 2017 verdoppelt.

  • Doch mit den kolportierten 11 Mrd. US-Dollar (9,7 Mrd. Euro) jährlichem Investitionsvolumens bei den Erneuerbaren Energien in Indien würde ebenfalls nur ein Bruchteil der benötigten Investment-Summe von 160 Mrd. US-Dollar (141,4 Mrd. Euro) erreicht. [2, S. 22]
  • Geht es nach den Allianz-Studienmachern müsste auch das Entwicklungsland Indien bis 2050 rund 5 Billionen US-Dollar in die Energiewende stecken, um die Pariser Klimaziele zu erreichen (4,41 Mrd. Euro). [3]
  • Wenn man bedenkt, dass allein der indische Staatshaushalt im Jahr 2016 gerade einmal 283,1 Mrd. US-Dollar umfasste, wären die geforderten jährlichen 160 Mrd. US-Dollar an Öko-Investments (privat oder öffentlich) wohl nur schwer zu realisieren. [16]

Bei 1,33 Milliarden indischen Bürgern ergäbe dies ein homöopathisches Investitionsvolumen von gerade einmal 8 US-Dollar (7 Euro) pro Kopf im Jahr 2017. Dem stünde aber ein von den Studienmachern gewünschtes Volumen von mindestens 119 US-Dollar (105 Euro) pro Kopf und Jahr in Indien gegenüber. Das würde eine Steigerung von sagenhaften 1.387 Prozent bedeuten. Viel Geld für ein eher armes Land wie Indien. [17]

Jährliche Investitionen (dunkler Balken) im Jahr 2016 in den Stromsektor in den vom Allianz-Monitor erhobenen G20-Ländern. Gezeigt werden die angeblich benötigten jährlichen Investitionen (heller Balken) in den Stromsektor, um das „2-Grad“-Szenario des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen, dass also die globale Erderwärmung bis 2050 keinesfalls die 2-Grad Celsius-Marke überschreitet. Ausgaben in USD Mrd. pro Jahr."Allianz Klima- und Energiemonitor 2018", Seite 21.

2018 droht Windenergieflaute beim Klimareport-Sieger Frankreich

In dem am 26. November 2018 veröffentlichten "Allianz Klima- und Energiemonitor 2018", welcher auf Daten aus dem Jahr 2017 fußt, wurde zwar Frankreich als attraktivster Markt für Investitionen in Erneuerbare Energien dargestellt.

Doch ein Situationsbericht in der Printausgabe des Branchenmagazins "Energie & Management" (E&M) zeichnet für das Jahr 2018 ein anderes Bild:

Nach dem Bericht vom 01. Oktober 2018 herrsche in der französischen Windenergiebranche angeblich eine Flaute bei den Investitionen. Die Autorin des E&M-Artikels (Angelika Nikionok-Ehrlich) verweist nämlich auf zahlreiche Hürden bei der Entwicklung von Windparks in Frankreich.

  • So würden etwa 70 Prozent aller Windparkprojekte in Frankreich "juristisch angegriffen".
  • Zudem könne es zwischen 24 und 60 Monaten dauern, bis neue Windräder an das Netz angeschlossen würden.
  • Die Realisierung kompletter Windparkprojekte in Frankreich könne, schreibt E&M, nach Angaben des Frankreich-Chef des Windparkunternehmens "Ostwind", von Fabien Keyser, durchaus acht bis zehn Jahre dauern.
  • Aktuelle Probleme in den Genehmigungsverfahren kämen angeblich on Top auf die Problemliste.

Doch damit nicht genug: Denn angeblich stritten, heißt es in dem E&M-Bericht, französische Präfekturen mit den regionalen Umweltbehörden über die Umweltkonformität der Anlagen in den Genehmigungsverfahren. Dies sorge für noch mehr Verzögerungen.

Das alles führe nach Aussage von Paul Duclos, Windenergiebeauftragter des französischen "Verbandes Erneuerbarer Energien", also auf Französisch des "Syndicat des énergies renouvelables" (SER) zu folgendem: Dass zumindest in 2018 "die guten Installationszahlen" neuer Windräder in Frankreich nicht wie in den Vorjahren 2017 oder 2016 erreicht worden wären. [18]

Frankreich produzierte noch immer massiv weniger Windenergie als Deutschland

Unterteilt man die Windparks nach ihren Standorten (Land oder im Wasser), so nennt der SER-Verband für Frankreich folgende Zahlen in 2016:

  • So hätten im Jahr 2016 die "terrestrischen Windtürme" in Frankreich eine Gesamtbetriebskapazität von 11.609 MW (Megawatt) gehabt. Umgerechnet wären dies 11,6 Milliarden Watt.
  • Das seien 1.351 MW mehr als 2015.
  • Dies entspreche einem Deckungsgrad am gesamten Energiebedarf in Frankreich von 5%.
  • Zusätzlich zu den Windparks an Land kommen auch in Frankreich Windkraft-Anlagen im Meer. Hier nennt der französische "Verband Erneuerbarer Energien" folgende Kennzahlen:
  • So seien 2016 insgesamt 3.000 MW (Megawatt) auf dem Meer an Windenergie produziert worden.
  • Diese Zahlen wolle man bis 2020 auf 6.000 MW steigern.

Fasst man die Windenergie-Produktion in Frankreich zu Land und Meer zusammen, kommen die Franzosen auf einen Output von 14.609 Megawatt im Jahr 2016. [19]

  • Zum Vergleich: In Deutschland lag der Output an Windenergie (Anlagen an Land und auf Wasser) im Jahr 2016 bei 49.600 Megawatt. Das ist mehr als drei Mal so viel wie in Frankreich. [20]

Fazit zur Allianz-Studie

Der "Allianz Klima- und Energiemonitor 2018" zeichnet ein durchaus faszinierendes und interessantes Bild rund um das Investmentklima und die politischen Rahmenbedingen in den erhobenen G20-Staaten rund um den Aufbau Regenerativer Energien zur Erreichung des Pariser Klimaschutzabkommens bis zum Jahr 2050.

Deutschland bildet derzeit zweifelsfrei mit Frankreich die Spitze der erfolgreichsten und sichersten Länder für Investoren im Bereich Regenerativer Energien. Doch es gibt auch Kritik an der Studie, welche Stromanzeiger.de im folgenden Kommentar skizziert.

Kommentar

Der "Allianz Klima- und Energiemonitor 2018" der Allianz SE, der Denkfabrik NewClimate Institute und der Umweltorganisation Germanwatch lässt einige Fragen offen.

Das zentrale Manko der zumindest öffentlich einsehbaren Studie ist ihr schierer Umfang.

So umfasst die öffentlich einsehbare Studie gerade einmal 24 PDF-Seiten – kleinstgedruckt. Hätte man wenigstens die übliche Schriftgröße Times New Roman 12 genommen, wäre man wenigstens an die 36 bis 40 Seiten gekommen. Das macht das Lesen des Reports extrem zäh und unangenehm schwierig.

Wenig lesefreundlich sind auch die Grafiken. Sie sind sehr abstrakt und verstehen sich kaum aus sich heraus. Doch eine Studie wird letztlich nicht für die Autoren gemacht, sondern eben für Dritte, für Politiker, Investoren, sonstige Entscheidungsträger, Journalisten und die Öffentlichkeit.

Gänzlich fehlen in den Grafiken auch Lesebeispiele. Das macht nicht selten den Blick auf die Tabellen zu einem Rätselraten, was wohl nun gerade gemeint sein könnte. Dies bietet unangenehm viel Platz für mögliche Fehlinterpretationen und Verständnis-Zitterpartien für die Energiebranche und Investoren. Dies sollte einer Studie nicht passieren.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Quellenangaben der Allianz-Studie sind mit gerade einmal rund 20 in Hauptrubriken zusammengefassten Fußnoten extrem ungewöhnlich spärlich.

So fragt man sich oft: Wie kommen die Autoren jetzt zu dieser oder jener Zahl, die angeblich in Ländern für den Aufbau Regenerativer Energien investiert wird? Oder: Wie kommen bestimmte Einschätzungen politischer Rahmenbedingungen zustande?

Auch wird auf die unterschiedlichen nationalen Gesetzeslagen zu wenig bis gar nicht hingewiesen. So wird zum Beispiel nicht darauf hingewiesen, dass die Wasserkraft in China und Russland gar nicht zu den erneuerbaren Energien gezählt wird. Dies hat zur Folge, dass Investitionen in diesen Bereich in beiden Ländern nach unserem Verständnis scheinbar gar nicht im Monitor berücksichtigt werden. Mehrere Versuche unsererseits über einen Energieversorger mit den Studienmachern in Kontakt zu treten, schlugen bislang fehl.

Dabei ist aber klar, dass supranationale Studien immer eine Königsdisziplin sind. Dennoch hätte man sich gewünscht, dass die Autoren auf diese Schwachstellen im Text und im Studiendesign eingegangen wären, was zumindest wir vom Stromanzeiger.de so in der uns vorliegenden Studie nicht finden konnten.

Ebenfalls schwierig ist, dass bestimmte Investmentzahlen, welche der Allianz-Monitoringbericht selbst für Länder wie Deutschland nennt, mit anderen in der Öffentlichkeit genannten und kursierenden Zahlen nicht ins Verhältnis gesetzt hat und auch nicht näher erklärt hat.

  • Beispielsweise nennt der Allianz-Monitor für Deutschland 2017 eine Investitionssumme in den Aufbau Regenerativer Energiequellen von 14,6 Milliarden Euro.
  • Der deutsche Bundesrechnungshof nannte aber für 2017 die Zahl 34 Milliarden Euro und für die Jahre 2012 bis 2018 gar eine Gesamtsumme von 160 Milliarden Euro.
  • Dies würde einer durchschnittlichen Investitionssumme von jährlich 26,6 Milliarden Euro entsprechen.

Das würde zwar annähernd der Größe entsprechen, welche der Allianz-Monitor nennt. Dennoch hätte man sich gewünscht, dass überhaupt mal solche externen Zahlen auch im Allianz-Bericht deutlich genannt und diskutiert werden.

  • Nicht zur Genüge wurde zudem erläutert, ob die in der Studie genannten Investitionshöhen in Erneuerbare Energie beispielsweise den Aufbau der dafür nötigen Stromnetze bereits behinhalten.
  • So werden beispiespielsweise in Deutschland neue Windparks primär im Norden und Osten gebaut, wobei sie an die in Gesamtdeutschland vorhandenen Stromnetze angeschlossen werden müssen.

Ein weiterer Hauptkritikpunkt von Stromanzeiger ist, dass der "Allianz Climate & Energy Monitor 2018" lediglich in Englisch veröffentlich wurde.

Hier meinen wir: Wer wirklich die Öffentlichkeit und eine breite Palette an Investoren in den G20-Ländern erreichen möchte, sollte sich schon die Mühe machen, seine Untersuchungsergebnisse in allen Sprachen der G20-Ländern zu veröffentlichen.

Dies ist deshalb umso wichtiger, als dass in der komplexen Studie zahlreiche Fachtermina verwendet werden, die selbst für einen guten Englischsprecher oft schwer zu verstehen sind.

Deshalb haben auch wir vom Stromanzeiger uns die komplette Studie erst einmal schriftlich mit Hilfe des Google-Dokumentenübersetzers ins Deutsche übersetzt und, wo nötig, redigiert. Erst dann machten wir uns an die Interpretation der im Monitor dargelegten Erkenntnisse.

In einem nächsten Artikel werden wir die komplette so durch uns übersetzte Studie auf Stromanzeiger.de publizieren. Allerdings können wir keine Gewähr für die Richtigkeit sämtlicher Übersetzungen und Interpretationen geben und müssen deshalb leider nach wie vor auf die englischsprachige Primärquelle verweisen.

Dennoch bitten wir: Sollten uns Übersetzungs- oder Interpretationsfehler unterlaufen sein, so erbitten wir uns dies in den Kommentarspalten mitzuteilen. Die leider nur englischsprachige Version der Studie ist abrufbar unter: „Allianz Climate & Energy Monitor 2018“.

Einzelnachweise

[1] Bericht nach § 99 BHO über die Koordination und Steuerung zur Umsetzung der Energiewende durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, auf: bundesrechnungshof.de vom 28. September 2018. Abruf am 27. November 2018.

[2] Allianz Climate and Energy Monitor 2018 von Allianz SE, Group Communications and Corporate Responsibility, auf: germanwatch.org vom 26. November 2018. Abruf am 27. November 2018. (S. 2f, 4, 5f, 6f, 13, 18, 21, 21f und 22)

[3] Medienmitteilung: Frankreich überholt Deutschland von Allianz SE, Group Communications and Corporate Responsibility, auf: allianz.com vom 26. November 2018. Abruf am 27. November 2018. (S. 1, 2 und 3)

[4] Bundeshaushalt 2018 von Bundesministerium der Finanzen, auf: bundesfinanzministerium.de vom 26. Juni 2017. Abruf am 28. November v2018.

[5] Dekarbonisierung, auf: energie-lexikon.de. Abruf am 27. November 2018.

[6] Milliarden für Kohleausstieg von Benedikt Müller, auf: Süddeutsche Zeitung Online (sueddeutsche.de) vom 29. November 2018. Abruf am 30. November 2018.

[7] Erneuerbare Energien: Mehr Wettbewerb durch Auktionen, auf: handelsblatt.com vom 19. September 2017.

[8] Reaktionen aus europäischen Photovoltaik-Branche auf Trump-Entscheidung von Sandar Enkhardt, auf: pv-magazin.de vom 23. Januar 2018. Abruf am 30. November 2018.

[9] Stromerzeugung in Deutschland im ersten Halbjahr 2018 von: Prof. Dr. Bruno Burger, auf: Fraunhofer Institut Online (fraunhofer.de) vom 11. Juli 2018. Abruf am 27. November 2018.

[10] Deutschland fällt bei erneuerbarer Energie hinter Frankreich zurück von Silke Kersting, auf: Handelsblatt Online (handelsblatt.de) vom 26. November 2018. Abruf am 27. November 2018.

[11] Die Erneuerbaren sind durchaus konkurrenzfähig von Jule Reimer, auf: Deutschlandfunk Online (deutschlandfunk.de) vom 26. November 2018. Abruf am 27. November 2018.

[12] Studie sieht Frankreich bei Investitionsbedingungen vorne von Günter Drewnitzky, auf: energie-und-management.de vom 27. November 2018. Abruf am 27. November 2018.

[13] USA: Trump verhängt Zölle für Photovoltaik-Importe von 30 Prozent von Frank Andorka, auf: pv-magazine.de vom 23. Januar 2018. Abruf am 27. November 2018.

[14] Donald Trump unterzeichnet Verteidigungsetat, auf: Die Zeit Online (zeit.de) vom 14. August 2018. Abruf am 29. November 2018.

[15] Video: Chinas Kampf gegen den Smog, auf: galileo.tv vom 06. April 2018. Abruf am 28. November 2018.

[16] Staatshaushalt Indien, auf: wikipedia.de. Abruf am 29. November.

[17] Die Schattenseiten von Indiens Metropole von Michael Schwarz, auf: Heilbronner Stimme Online (stimme.de) vom 27. Januar 2017. Abruf am 28. November 2018.

[18] Windernergieflaute auch in Frankreich von Angelika Nikionok-Ehrlich, in: Energie & Management vom 01. Oktober 2018.

[19] Verband Erneuerbarer Energien Frankreich (SER; Syndicat des énergies renouvelables).

[20] Windenergie-Markt Deutschland, auf: Windbranche.de vom 27. Juli 2018. Abruf am 39. November 2018.

Stand der Währungsumrechnung: 28. November 11:30 Uhr.

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