Schiffe sollen stärker Strom an Land tanken

Tanker und Kreuzfahrtschiffe produzieren den Strom, den sie benötigen, in eigenen Stromgeneratoren. Doch das scheint umweltschädlicher zu sein, als wenn Strom in bestimmten Ländern wie Deutschland an Land getankt wird. Das behaupten zumindest einige Politiker.

Pixabay License
Kreuzfahrtschiffe und Tanker benötigen viel Strom.

Deshalb gibt es nun in Kiel oder Hamburg Landladestationen für Strom, welche Schiffe nutzen können, um Strom zu tanken. Da aber in Deutschland gut 75 Prozent des Strompreises staatlich vorgegeben und berechnet wird, gehört Strom aus Deutschland zu den teuersten weltweit.

Besonders schwer fällt in Deutschland die hohe Energiesteuer ins Gewicht, die aber in Ländern wie der Schweiz nicht viel niedriger ist.

  • Hinzu kommt in Deutschland die staatlich den Bürgern und Unternehmen aufgezwungene EEG Umlage (Erneuerbare Energien Gesetz), die die Energiewende in Deutschland maßgeblich finanzieren soll.
  • Außerdem fallen mit jeder Stromrechnung hohe von Bürgern und Unternehmen zu zahlende Transportkosten für Strom über Verteilnetze an. Verteilnetze sind häufig im Boden verlegte Stromkabel.
  • Zudem müssen Bürger wie Unternehmen die Übertragungsnetzgebühren bezahlen und zwar an vier Monopolisten für die hohen Überland-Strommasten und sonstige deutschlandweit gezogene Stromkabel.

Damit Schiffe der internationalen Schifffahrt stärker Strom in Deutschland an Land tanken, statt ihn an Bord selbst zu produzieren, erlässt jetzt die Bundesregierung Großteile der Sonderstromsteuer, die in Form der EEG Umlage in Deutschland fast jeder bezahlen muss.

Mehr Umweltschutz?

Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (GRÜNE) kommentierte die Ankündigung mit den Worten, dies sei ein wichtiger Schritt für den Klimaschutz und die Luftreinhaltung.

Der NDR schreibt, wonach bislang viele Schiffe auf das Stromtanken an Land auch bei längeren Liegezeiten an der Kaikante verzichteten. Als Grund wird angeführt, dass die Produktion des Stroms über die üblichen an Bord verbauten Dieselgeneratoren "um ein Mehrfaches" günstiger sei. (1)

Des weiteren führt der NDR aus, wonach vor allem Kreuzfahrtschiffe einen extrem hohen Stromverbrauch während der Liegezeiten hätten.

"Erste Landstromanlage Europas"

Deshalb gebe es in der Hansestadt Hamburg seit 2016 ein Stromtank-Terminal - "die erste Landstromanlage Europas" - wo Schiffe nun Strom tanken könnten. Auch in Kiel wurde so eine Anlage gebaut.

  • Allerdings habe in Hamburg von rund 40 Schiffen, die pro Saison die Hansestadt anlaufen, bislang nur die AIDAsol die Anlage genutzt.
  • Zudem, so der NRD unter Bezug auf eine Aussage der Hamburg Port Authority, gebe es mit der "Europa 2" einen weiteren Testlauf.
  • Außerdem gebe es mit einer dritten Rederei zumindest Gespräche.

Doch so oder so scheint das Unterfangen nicht einfach zu sein. Auch deshalb, da viele Urlaubsschiffe über keinen oder keinen kompatiblen Landstromanschluss verfügten.

Einige der Schiffe, die teils mehrere Tausend Personen fassen, seien auch "schlicht zu groß für das Terminal in Altona und können dort nicht festmachen".

Einzelnachweise

1) EEG-Umlage für Landstrom soll reduziert werden, NDR Online vom 13.5.2019. Abgerufen am 20.5.2019

Hinweis

Ein Leser weist uns darauf hin, dass er der Meinung sei, die EEG-Umlage sei weder eine Steuer, noch eine Sondersteuer. So schrieb uns der Windkraftunternehmer: "Die EEG-Umlage ist keine 'Steuer' und auch keine 'Sonder-Steuer'. Ich empfehle 30 Minuten Lektüre des Wikipedia-Eintrages zu 'Erneuerbare Energieen Gesetz'. (Was unterscheidet denn eigentlich eine "Steuer" von einer "Sondersteuer", ganz nebenbei?)".

Anmerkung: Wir haben in der Redaktion durchaus hitzige Diskussionen gehabt, ob die EEG Umlage eine Steuer ist oder nicht und haben an dieser Stelle erst einmal die Sichtweise unseres Lesers übernommen, werden das Thema an anderer Stelle aber sicherlich noch einmal mit einem Fachmann in einem Interview diskutieren.

gefällt mir
1
 

Lesen sie jetzt