Französischer Energieversorger Engie will weltweit Nummer eins bei Null-CO2-Wirtschaft sein

Ist es Getöse, oder könnte es Realität werden? Die Neue Zürcher Zeitung berichtet, wonach die Konzernchefin des französischen Energieversorgers Engie, Isabelle Kocher, gemeinsam mit Finanzchefin Judith Hartmann «innerhalb von drei Jahren» den Energieriesen umgebaut habe.[i] Die Engie SA nannte sich bis 2015 GDF Suez. Der Umsatz lag 2016 bei 66,6 Milliarden Euro.

Screenshot engie.fr
Homepage des französischen Energiereisen Engie, der auch in der Schweiz oder Österreich zu den Marktführern gehört.

Im Zentrum des Umbaus bei Engie, so die NZZ, stehe der Wunsch, den «aus Gaz de France und Suez entstandenen Konzern» zur weltweiten «Nummer eins im Bereich Dekarbonisierung, einer Null-CO2-Wirtschaft» zu machen.

Das habe die österreichischen Finanzchefin gegenüber der NZZ bestätigt. Allerdings scheint man vom Ziel noch weit entfernt. So erklärte Hartmann der NZZ unter anderem bezüglich des Ausbaus der Erneuerbaren Energie bei Engie:

«Die grosse Transformation passierte in den letzten drei Jahren, doch mit dem Thema haben wir uns schon vorher beschäftigt. Einer der Auslöser war der Entscheid Deutschlands, aus der Kernkraft auszusteigen und die erneuerbaren Energien zu fördern. Europaweit wurden in einem gesättigten Energiemarkt erneuerbare Energien hinzugefügt, was die Preise stark unter Druck setzte.»

Deshalb sei für Engie klar gewesen, dass «die Erneuerbaren eine wichtige Rolle spielen werden». Weiter sagte die CFO:

«Schon zu Beginn der Transformation besassen wir rund 20 GW Produktionskapazität aus Wasserkraft. Mittlerweile machen die Erneuerbaren, und dazu zählen wir auch die Wasserkraft, rund einen Viertel unserer gesamten Produktionskapazitäten aus.»

Für rund 16 Milliarden Euro habe man aber Unternehmensteile aus Geschäftsfeldern verkauft, in welchen man auf dem Weltmarkt kaum Chancen sehe.

Ausstieg aus Flüssiggas LNG

Dazu gehöre beispielsweise auch das weltweit wachsende Geschäft mit flüssigem Erdgas, dem LNG, woraus man sich als eigener Produzent verabschiedet habe.

Ausgestiegen sei man beispielsweise «aus dem vom Marktpreis abhängigen thermischen Geschäft in den USA und den Kohlekraftwerken in Australien, Indonesien und Thailand». Das seien aber «keine Notverkäufe» gewesen. Vielmehr habe man beim Verkauf immer noch gute Konditionen erzielen können.

Sicher sei man bei Engie, dass es noch Jahrzehnte beanspruchen Werde, den Umbau hin zu Erneuerbaren Energien mit «riesen Investitionen» zu fördern. Verabschieden wolle man sich aber nicht vom Erdgas, welche man als grünste fossile Energie ansehe.

So seien bei der Erzeugung von Strom durch Gas «die CO2-Emissionen nur halb so hoch wie bei der Kohle». Zudem gebe es « keinen Feinstaub, was vor allem in den städtischen Regionen ein Vorteil» sei.

Erdgas "perfekte Ergänzung"

Zudem sei Erdgas «leicht zu transportieren und zu lagern», was eine «perfekte Ergänzung» zu Erneuerbaren Energien sei.

Die Neue Zürcher Zeitung schreibt außerdem, wonach die Nettoverschuldung des Energieunternehmens derzeit bei sehr hohen 21 Milliarden Euro liege.

Ein Drittel der Stimmrechte bei Engie lägen nach wie vor beim französischen Staat, wobei er 24% des Kapitals sein Eigen nenne.

Dieser hohe Staatsanteil mag einer der Gründe sein, weshalb die Verbindlichkeiten des Unternehmens trotz der hohen Nettoverschuldung nach wie vor von Ratingagenturen mit A bewertet werden.

Einzelnachweise

[i] «Klimaschutz ist kein Modetrend mehr», Interview Giorgio V. Müller mit der österreichischen Engie-Finanzchefin Judith Hartmann.

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