Amazonas brennt und 70 Personen kündigten an weitere Feuer legen zu wollen

Es ist unglaublich: Der für das Weltklima so wichtige Amazonas Regenwald brennt an vielen Stellen. Und einige Brasilianer sollen in einer WhatsApp-Gruppe angekündigt haben, sie wollten weitere Feuer legen nach dem Motto «Tag des Feuers». Das berichtet das Portal «Globo Rural», übersetzt «Ländlicher Ballon».[i]

Die brasilianische satellitengestützte Datenbank "Base 2" stellt zeitgleich Aufnahmen von Waldbränden in Brasilien ins Internet. Sie ist abrufbar über den Link http://queimadas.dgi.inpe.br/queimadas/bdqueimadas/

Globo Rural gehört zum mächtigen eher konservativen brasilianischen Zeitungsriesen Globo, beziehungsweise der Globo Comunicação e Participações SA. Der Medienriese betreibt unter anderem die erfolgreichen Webseiten globoesporte.com, gshow (globoshow.com), globoplay.com oder g1.com.

Dem Bericht folgend hätten 70 Personen in einer WhatsApp-Gruppe mitgeteilt, sie wollten vor allem entlang der Amazonas-Landstraße BR-163 im Bundesstaat Pará weitere Brände legen.

Wir konnten eine BR-163 im Gebiet der Stadt Santarém im Bundesstaat Pará finden, welche in Richtung Süd-Westen verläuft.

Die Straße führt von der Stadt Santarém ausgehend entlang des Wasserreserveroirs «Extractive Reserve Tapajos-Arapiuns» hinunter zum Nationalpark Amazônia, dem «Parque Nacional da Amazônia».

Die Landstraße endet in der 230

Das letzte Stück endet die Straße wiederum in der Landstraße 230 beim Amazonas-Städtchen Itaituba, gelegen am Rio «Tapajos», also dem Fluss «Tapajos».

Ob es sich dabei um die in der WhatsApp-Gruppe genannte Straße handelt, ist unklar, aber relativ wahrscheinlich.

Mit den vorsätzlich gelegten Bränden wolle man den umstrittenen Populisten, den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, dazu bewegen, die Umweltvorschriften weiter zu lockern, heißt es in Medienberichten. Ungeklärt ist allerdings, warum ausgerechnet Brandstiftungen helfen sollten.

Denn die möglichen angeblichen Täter stammen selber aus der Landwirtschaft und würden sich selber schaden, da durch die Brände «viele Zäune» verloren seien, «Weiden, Feldfrüchte und Tiere, die alle vom Feuer verschlungen wurden», so Globo Rural» in seinem Bericht über die angebliche WhatsApp-Gruppe weiter.

Früher wurde in Westdeutschland noch von der angeblich so guten "Brandrohdung" an Schulen gelehrt...

Auf der anderen Seite lernte man in Westdeutschland schon in den 1980er Jahren an jeder Schule, dass Brandrodungen im Amazonasgebiet zur Tagesordnung gehörten. Damals lehrte man, das sei gut, da so guter Dünger entstehe, um der Landwirtschaft zu fruchtbaren Feldern zu verhelfen. Was damals allerdings als gute Sache an den Schulen gelehrt wurde, scheint heute nicht mehr erwünscht zu sein.

Als Anhänger in der Whatsapp-Gruppe werden Pará-Erzeugergemeinschaften genannt, deren Mitglieder aus «Gewerkschaftern, Landwirten, Händler und Landräuber» sich rekrutiere. Das schreibt das brasilianische Nachrichtenportal Exame unter Bezugnahme auf eine entsprechende Nachricht der weltweit verbreiteten britischen Nachrichtenagentur Reuters.[ii]

Seit Anfang des Jahres soll es in Brasilien bereits 78.000 Waldbrände gegeben haben. Ob diese gigantische Zahl so stimmt und wie sie überhaupt zustande gekommen ist, lässt sich durch uns nicht verifizieren.

Angeblich stamme sie von der Brasilianische Raumfahrtagentur (AEB; Agência Espacial Brasileira), berichtet der Schweizer Rundfunk SRF.

Die Weltraumbehörde gehört allerdings im globalen Vergleich zu den eher kleinen Einheiten mit einem Jahresetat, der gerade einmal bei rund 40 Millionen Euro liegt.

Zahl von angeblich 78.000 Waldbränden im Amazonasgebiet konnten wir nicht verifzieren

Beim Blick auf die Webseite der AEB konnten wir keine einzige Meldung ausfindig machen, welche sich überhaupt auch nur mit der Anzahl an Waldbränden im Amazonas Gebiet beschäftigte. Wir hatten sowohl die Suchfunktion auf der Webseite genutzt, als auch die aktuellen Pressemeldungen durchforstet.

Deshalb können wir die Zahl von angeblich 78.000 Waldbränden im Amazonas derzeit nicht bestätigen.

Auch nicht, dass dies ein Anstieg von 84 Prozent sei im Gegensatz zu den angeblichen Bränden 2018. Ebenfalls nicht verifizieren konnten wir die über westliche Medien verbreitete Meldung, wonach angeblich alleine von Dienstag bis Freitag angeblich weitere 1663 Waldbrände im Amazonasgebiet ausgebrochen seien. Deshalb fühlen wir uns auch nicht wohl, diese ungeprüfte und derzeit durch den Medienwald geisternde Zahl hier zu veröffentlichen.

Update zur Anzahl der Brände +++ 19.900 in Brasilien, 2635 in Bolivien, 1276 in Argentinien...

Mittlerweile (27.8.2019, 10:45) konnten wir feststellen, dass der Schweizer Rundfunk nicht die AFB meint, sondern das brasilianische "Nationalen Institut für Weltraumforschung" (INPE; Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais). Das Institut führt in der Tat eine "satellitengestützte Datenbank für Vegetationsbrandausbrüche". Sie lautet auf "Base 2" und ist für jedermann im Internet abrufbar und zwar unter dem Link http://queimadas.dgi.inpe.br/queimadas/bdqueimadas/.

Doch auch auf der Base 2-Datenbank konnten wir zumindest keine konkrete Anzahl der Waldbrände finden, die auch nur ansatzweise in Richtung 78.000 Waldbrände ginge. Was wir finden konnten, ist die Anzahl von 19.900 Bränden (unser Sreenshot), die derzeit in Brasilien zu verzeichnen seien. Daneben werden auch Brände in zahlreichen anderen lateinamerikanischen oder südamerikanischen Ländern genannt - zum Beispiel 2635 in Bolivien oder 1276 in Argentinien.

Screenshot einer heruntergeladenen Tabelle auf der brasilianischen Brand-Datenbank Base 2. Wir haben diese Grafik über den in der Datenbank angebotenen Punkt 2 (Grafikos; Grafiken) erhalten. Stand: 27. August 2019, 11:14 Uhr.queimadas.dgi.inpe.br/queimadas/bdqueimadas/

Base 2 bietet einen beeindruckenden visuellen Überblick über das Ausmaß der Waldbrände im Amazonasgebiet und lässt das Ausmaß der ganzen Katastrophe erkennen.

Derweil soll, schreibt der Schweizer Rundfunk weiter, Brasiliens Justizminister Sérgio Moro auf Twitter mitgeteilt haben «kriminelle Brandstiftung im Amazonasgebiet» hart bestrafen zu wollen.[iii] Allerdings konnten wir auch diesen angeblichen Tweet nicht auf Moros Twitter Kanal finden.

Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte wiederum angesichts des G7-Treffens, wonach die größten Industriestaaten der Welt einen Plan vorlegten wollten, wie sie bei der Bekämpfung der zahlreichen Brände im Amazonas Regenwald helfen könnten, um die weiteren Verwüstungen einzugrenzen. Diese Hilfe soll Brasilien mittlerweile abgelehnt haben.

Update

Israel kündigte an, ein Löschflugzeug nach Brasilien zu entsenden.[iv]

Einzelnachweise

[i] Die Gruppe beschwor mit WhatsApp den "Feuertag" in Pará. Die Polizei ermittelt gegen Brandstiftung, mindestens 70 Personen nahmen an der Nachrichtengruppe teil. Am 10. August stieg die Zahl der Brandausbrüche im Amazonasgebiet plötzlich an, original: Grupo usou whatsapp para convocar "dia do fogo" no Pará Polícia investiga ação de incendiários, ao menos 70 pessoas participaram de grupo de mensagens; no dia 10 de agosto, número de focos de incêndios cresceu repentinamente na Amazônia, in: globorural vom 25.8.2019. Abgerufen am 26.8.2019.

[ii] Die Bundespolizei wird Brandstiftung in Amazon untersuchen, sagt Moro, original: Polícia Federal investigará incêndios criminosos na Amazônia, diz Moro Grupos de produtores do Pará teriam combinado incêndio conjunto no início de agosto por meio de conversas no WhatsApp, in: exame.abril.com.br vom 25.8.2019. Abgeruren am 26.8.2019.

[iii] Brände im Amazonasgebiet - Proteste gegen Bolsonaro, Schweizer Rundfunk Onlineportal srf.ch vom 25.8.2019. Abgerufen am 26.8.2019.

[iv] Israel wird ein Flugzeug schicken, um bei der Bekämpfung von Amazonas-Bränden zu helfen

Informationen wurden von Federal Deputy Eduardo Bolsonaro (PSL-SP) zur Verfügung gestellt, original: Israel enviará avião para ajudar no combate aos incêndios na Amazônia. Informação foi dada pelo deputado federal Eduardo Bolsonaro (PSL-SP), in: agenciabrasil.ebc.com.br vom 25.8.2019. Abgerufen am 26.8.2019.

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