Kostenschock Wirtschaftsverbände: Kohleausstieg verursacht Mehrkosten zwischen 14 und 54 Milliarden Euro

Wegen des geplanten Kohleausstiegs sehen Wirtschaftsverbände große Belastungen auf Unternehmen und Haushalte zukommen. Von der Regierung fordern sie nun Kompensationen in Milliardenhöhe – sonst droht ein Veto in der Kohlekommission.

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Die Bundesregierung will sämtliche Kohlekraftwerke in Deutschland abschalten. Industrieverbände befürchten dadurch erhebliche Mehrkosten.

Für Verbraucher und Unternehmen sind die jetzt schon steigenden Strompreise eine enorme Bürde. Doch das Ende der Fahnenstange scheint noch nicht erreicht. Im Zuge der Energiewende könnten die Strompreise noch weiter steigen.

Kostentreiber Kohleausstieg

Insbesondere der von der Regierung angestrebte Kohleausstieg könnte sich zu einem wahren Kostentreiber entwickeln. Das ergab zumindest eine Studie, die im Auftrag von Deutschlands größten Wirtschaftsverbänden durchgeführt wurde. Und die Zahlen haben es in sich!

Wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mitteilten, könne der politisch beschleunigte Rückgang der Kohleverstromung Mehrkosten zwischen 14 und 54 Milliarden Euro bis 2030 verursachen. Zur Kasse dürften dann wieder die Verbraucher gebeten werden. [1]

Zuschüsse in Höhe von zwei Milliarden Euro jährlich

Als Grund für die große Diskrepanz nennen die Verbände Unsicherheiten bezüglich der Preisentwicklung der Energierohstoffe wie Öl und Gas. Um die steigenden Kosten zu kompensieren, fordern diese nun Zuschüsse von der Bundesregierung in Höhe von mindestens zwei Milliarden Euro jährlich. [2]

Die Chefs der Wirtschaftsverbände – Dieter Kempf (BDI), Eric Schweitzer (DIHK) und Steffen Kampeter – sind zudem Mitglieder der Kohlekommission. Das Gremium soll in den nächsten Tagen über einen Plan zum Kohleausstieg beraten, einschließlich eines Enddatums für die Abschaltung des letzten Meilers. [3]

Industrie-Verbände drohen mit Veto in Kohlekommission

„Eine Kompensation der zu erwartenden Stromkostensteigerungen ist für uns Voraussetzung für Zustimmung zu einem politischen Ausstieg aus der Kohleverstromung”, sagten die Spitzenvertreter der Verbände BDI, DIHK und BDA gegenüber Reuters. Die jährlichen Entlastungen sollen nach den Vorstellungen der Wirtschaftsverbände über die Stromnetz-Gebühren erfolgen.

„Mit der Festlegung eines starren Abschaltplans für Kohlekraftwerke würde die Politik die deutsche Wirtschaft einem massiven Risiko aussetzen“, mahnen die Verbände. Zudem fordern diese eine erneute Überprüfung des Kohleausstiegs in den Jahren 2023 und 2026, da die Auswirkung der Abschaltung der Atommeiler auf den Strompreis noch nicht abgeschätzt werden könne. [4]

Einzelnachweise

[1] Spitzenverbände der Wirtschaft warnen vor frühzeitigem Kohleausstieg von Silke Kersting, in: handelsblatt.de vom 22. Januar 2019, Abruf am 22. Januar 2019.

[2] Wirtschaft zieht rote Linien bei Verhandlungen über Kohleausstieg von DPA, in: wallstreet-online.de vom 22. Januar 2019, Abruf am 22. Januar 2019.

[3] Wirtschaft verlangt Zuschuss zu Netzentgelten, in: deutschlandfunkt.de vom 22. Januar 2019, Abruf am 22. Januar 2019.

[4] Industrie knüpft Ja zu Kohle-Aus an Hilfen beim Strompreis von Reuters, in: reuters.com vom 22. Januar 2019, Abruf am 22. Januar 2019.

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