Experten Kohle-Ausstieg - Strompreis könnte um 20 Prozent steigen

Experten befürchten, dass der Ausstieg aus der Kohleverstromung den Strompreis in die Höhe schnellen lässt. Neben der Ökostromumlage, den Netzentgelten und Steuern kommt damit ein weiterer Kostentreiber auf die Verbraucher zu.

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Die Kohlekommission hat sich auf einen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 geeinigt.

Kohle raus, Preis rauf! Der Kohleausstieg könnte vor allem Privatverbraucher hart treffen. „Nach diversen Studien zu diesem Thema könnte der Kohleausstieg den Strompreis an der Börse um rund 20 Prozent beziehungsweise ein Cent je Kilowattstunde steigen lassen“, erklärt Manuel Frondel, Energieexperte des RWI–Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen, gegenüber der Rheinischen Post. [1]

EEG-Umlage wird Strom noch teurer machen

In seinen Berechnungen beziehe er sich dabei auf einen Ausstieg bis 2035. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 4000 Kilowattstunden bedeute dies ungefähr 40 Euro im Jahr an Mehrkosten.

Dabei werde Strom ohnehin teurer, so Thilo Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft in der Rheinischen Post, da der Ausbau der Erneuerbaren über die EEG-Umlage finanziert werde, die Netzentgelte stiegen und mit der Braunkohleverstromung mittelfristig eine günstige Möglichkeit zur Stromerzeugung wegfalle. [1f]

Kommission beschließt Kohleausstieg bis 2038

Die Kohlekommission strebt den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 an, wobei bis 2022 der Anteil der Kohlkraftwerks-Kapazität um knapp 30 Prozent von 43 auf 30,5 Gigawatt gesenkt werden soll. [2]

Ebenfalls 2022 soll der letzte Atommeiler vom Netz gehen. [3] Zum Ausgleich wird zwar der Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben, allerdings könnten diese bei problematischen Wetterlagen womöglich nicht genug Strom liefern. [4]

Verbraucher sollen entlastet werden

Um die Preise für Strom nicht explodieren zu lassen, empfiehlt die Kommission dem Bund, die Verbraucher an anderer Stelle zu entlasten. Geschehen soll dies über eine Reduzierung der Netzentgelte um bis zu zwei Milliarden Euro. Ob die EU allerdings hier mitspielt, bleibt fraglich.

Mit zwei Milliarden Euro könne man jedoch auch die Stromsteuer um ein Drittel senken, so RWI-Fachmann Frondel. Damit wäre der Industrie jedoch nicht geholfen, da diese bislang von einer Ausnahmeregelung bei der Stromsteuer profitiere. Auf welche Weise die Entlastung der Stromverbraucher erfolgen soll, ist daher noch unklar. [1f]

Einzelnachweise

[1] Kohleausstieg könnte Strom 20 Prozent teurer machen von Kristina Dunz und Antja Höning, in: rp-online.de vom 29. Januar 2019, Abruf am 29. Januar 2019.

[2] Kohlekommission schlägt Abschaltung von 12,5 GW bis 2022 vor von Nora Kamprath Buli und Christian Driessen, in: montelnews.de vom 26. Januar 2019, Abruf am 29. Januar 2019.

[3] Bundesregierung beschließt Ausstieg aus der Kernkraft bis 2022, in: bundesregierung.de, Abruf am 29. Januar 2019.

[4] Hitzewelle zeigt das größte Problem der Erneuerbaren von Jürgen Flauger, Kathrin Witsch, in: handelsblatt.de vom 15. August 2018, Abruf am 29. Januar 2019.

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